Gesichtserkennung an US-Flughäfen eingesetzt

Gesichtserkennung an US-Flughäfen

Das erwartet Reisende zukünftig bei der Einreise

Die US-Grenzschutzbehörde (CBP) hat an allen internationalen Flughäfen der USA Gesichtserkennungssoftware implementiert. Wie wirkt sich das auf Reisende aus?

Mehr Sicherheit mit neuer Software

Nach einer mehrjährigen Testphase kommt das neue biometrische System zur Gesichtserkennung nun offiziell an allen US-Flughäfen mit internationaler Anbindung zum Einsatz, dies teilte die CBP im Juni 2022 mit.

Die Einführung dieser neuen Technologie im internationalen Reiseverkehr soll die Sicherheit beim Reisen erhöhen und die Prozesse an Flughäfen beschleunigen. Die digitale Umstellung ist nur einer von vielen Anpassungen, die in den kommenden Jahren erfolgen werden.

Besonders auf großen Flughäfen mit einer hohen Anzahl internationaler Reisende wird die Technik nun bei Sicherheits- und Passkontrollen eingesetzt, um Wartezeiten zu verhindern, aber auch um durch die kontaktlose Reise Krankheiten einzuschränken und potenzielle Hochstapler zu identifizieren.

Bereits seit Jahren kommen diverse biometrische Systeme an Flughäfen weltweit zum Einsatz. So setzen es viele internationale Airlines ein, um Gepäck einzuchecken, oder auch beim Boarding am Gate.

Das erwartet Reisende am Flughafen

Die neue Software namens „Simplified Arrival“ erstellt am Flughafen ein Foto von den Reisenden und gleicht dies mit bestehenden gespeicherten Bildern des Reisepasses, Visums oder Regierungsdokumenten ab.

Das CBP teilte mit, dass der Gesichtserkennungsabgleich grundsätzlich nur an den Kontrollstellen der Flughäfen eingesetzt wird, an denen Reisende auch vorher schon verpflichtet waren ihre Reiseunterlagen zur Prüfung vorzulegen.

An den vorgesehenen Kontrollstellen werden Fotos von den Reisenden gemacht, die daraufhin direkt mit vorhandenen Daten abgeglichen werden, während Beamte Fragen zum Einreisegrund stellen.

Der Einsatz von Technologie ändert nichts daran, dass die Beamten nach wie vor die Entscheidung über die Einreise eines jedes Reisenden treffen und ob weitere Befragungen notwendig sind.

 

 

 

Vorteile des neuen Systems

Nicht nur die COVID-19 Pandemie sondern auch die damit einhergehenden Wartezeiten durch Personalmangel zeigen, dass das alte Kontrollsystem an Flughäfen nicht auf Dauer beibehalten werden kann.

Nachdem in den letzten Jahren nach und nach mehr Technologie zum Einsatz kam, um Prozesse zu beschleunigen, soll das biometrische System durch einen schnelleren Abgleich der Daten nicht nur Wartezeiten verkürzen, sondern auch einen höheren Hygienestand bieten, indem direkter Kontakt gemieden wird.

Die Testphase hat bereits gezeigt, wie viel schneller und effizienter die biometrische Kontrolle ist. Die manuelle Kontrolle durch Beamte dauert im Schnitt 10 bis 30 Sekunden und ist allein durch optische Veränderung der Reisenden nicht immer eindeutig. Der digitale Abgleich der biometrischen Daten ist nach 2-3 Sekunden abgeschlossen und beruht auf einer Genauigkeit von 98%.
Zudem ist der Abgleich von Gesichtern sehr viel genauer und weniger anfällig für Betrug, als der Iris-Scan oder Fingerabdrücke, da zum Gesicht bereits sehr viel mehr Bilder einer Person vorliegen, die für Abgleiche genutzt werden können.

Innerhalb des Testzeitraums seit 2018 haben über 170 Millionen Reisende am Gesichtsabgleichverfahren teilgenommen. Davon konnten mehr als 1.500 Betrüger, die versucht haben mit echten Reisedokumenten zu falschen Identitäten in die Vereinigten Staaten einzureisen, aufgespürt werden.

Dennoch ist das biometrische System weiterhin nur ein Hilfsmittel bei der Sicherheitskontrolle, es bleiben weiterhin Officer im Einsatz, die basierend auf den vorliegenden Informationen weitere Fragen stellen und eine Entscheidung über das Einreiseschicksal jedes Reisenden treffen.

Wo bleibt die Privatsphäre?

Der Datenschutz und die individuelle Privatsphäre ist wohl einer der größten Kritikpunkte an der Einführung von biometrischen Systemen.

Auch wenn der CBP damit wirbt, dass es Automatisierungen zur Datenlöschung gibt, ist fraglich, ob dies auch eingehalten werden kann. So sollen Bilder von US-Staatsbürgern bereits nach 12 Stunden gelöscht werden, Aufnahmen international Reisender jedoch ans System des Department of Homeland Security transferiert werden. Theoretisch kann also jederzeit auf alle Daten zugegriffen werden, vor allem um Reisende zu tracken, die als Bedrohung angesehen werden.

Zudem wurde bereits von vielen Seiten Kritik geäußert, wie anfällig die Daten für Cyber Attacks sind. Schon 2019 musste die CBP einen Datenhack verkraften, bei der Hacker tausende Daten von Subunternehmern veröffentlicht hatten, die nicht befugt waren, die Informationen zu speichern.

Der digitale Flughafen

Prozesse könnten zukünftig dank biometrischer Technologien vollständig automatisiert ablaufen, ohne dass ein Reisepass benötigt wird, da alle Daten über die Gesichtserkennung erfasst werden könnten.

Um ein einheitliches System nutzen zu können, müssten Reisende allerdings bereits bei der Reisebuchung ihre persönlichen Daten preisgeben. Sicherheitschecks würden dann direkt nach der Buchung erfolgen und Passagiere in Risikogruppen unterteilt und gegebenenfalls zu weiterer Identifikation aufgefordert.

Identitätscheck auf Basis von biometrischen Daten könnten zukünftig durchaus auch in anderen Bereichen unserer Lebens eine Rolle spielen, in Sportarenen oder auf Konzerten.

 

 

Die Firma CLEAR versucht dieses System bereits innerhalb verschiedener Locations in den USA umzusetzen, um Check-in Prozesse zu beschleunigen. Man registriert sich online und schließt die Registrierung dann an einer CLEAR Station ab, indem man sein Gesicht oder Finger scannen lässt. Das System speichert nicht nur die Personaldaten, sondern auch Gesundheitsnachweise wie Impfpass oder COVID-Tests.
CLEAR ist offiziell vom Department of Homeland Security freigegeben und arbeitet seit Jahren mit den größten Fluggesellschaften sowie mit zahlreichen Veranstaltern von Sportevents zusammen. In über 200 US-amerikanischen Flughäfen gibt es daher bereits separate Schlangen, die für zahlende CLEAR Mitglieder bestimmt sind, die durch den einfachen Gesichtsscan lange Wartezeiten umgehen können.
Gerade US-Staatsbürger, die innerhalb der USA viel reisen, haben durch das System einen Vorteil, zumindest an den Flughäfen, die noch nicht auf das einheitliche System zur Gesichtserkennung umgestellt haben.